Nachhaltig leben mit wenig Geld

Geposted von Sabrina Garbin am

Ein Blog zum Thema «Nachhaltig leben mit wenig Geld» von Zahra Trovatori

Nachhaltigkeit UND Sparen – geht das?

Wie wir trotz kleiner finanzieller Mittel nachhaltig leben

Leben am oder unter dem Existenzminimum – das ist für sehr viele Menschen tägliche Normalität. Budgetieren, rechnen und hoffen, dass es bis Ende Monat reichen wird – das geht auch mir und meiner Familie so. Wir leben wie viele andere am Existenzminimum und vollführen jeden Monat einen Drahtseilakt zwischen «ein paar Franken zur Seite legen» und «wie soll es nur reichen, bis wieder Geld auf dem Konto ist.

Die meisten Menschen in dieser Situation können sich nicht vorstellen, dass es für sie möglich ist, nachhaltig zu leben – und dabei sogar noch zu sparen. Und genau deshalb entsteht dieser Blog. Er soll euch aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt und wo genau das Sparpotential liegt.

Das Argument, das ich am Häufigsten zu hören bekomme, ist, dass die Neuanschaffungen im nachhaltigen Bereich zu teuer und für das schmale Budget nicht zu stemmen sind. Diese Überlegungen kann ich als Betroffene natürlich nachvollziehen – aber bei genauerem Hinsehen wird diese Begründung ganz schnell durch Fakten entkräftet.

Teure Neuanschaffung – oder verstecktes Sparpotential?

Auf den ersten Blick sind nachhaltige Produkte im Vergleich teurer. Das ist ein Fakt. Ich möchte euch aber gerne an zwei konkreten Beispielen zeigen, wo die Möglichkeit zu sparen liegt und wie das den Alltag und somit das monatliche Budget entlasten kann:

  • Haushaltpapier vs. Bambusküchenrolle

    Wenn ich in der Migros das «TWIST Recycling Haushaltspapier» kaufe, bezahle ich für 4 Rollen à 80 Blatt CHF 3.60. Ich benutze ein Blatt, um etwas abzuwischen und danach landet es im Abfall. In unserer Familie haben wir durchschnittlich zwei Rollen in der Woche verbraucht (ausgekipptes Glas, verschmierter Mund, Farbe auf dem Tisch, etc.).

    Inzwischen benutze ich die wiederverwendbare Küchenrolle aus Bambus von Pandoo. Sie kostet CHF 14.90 für 20 Blatt – allerdings können die einzelnen Tücher bis zu 100x in der Waschmaschine gewaschen werden. Wenn ich ein Tuch benutze und es kurz auswasche (wie einen Lappen), dann hält eine EINZELNE Rolle sogar noch länger.
    Bambus Küchenrolle vs. Küchenrolle
    Die Vorteile auf einen Blick:
    • Eine Rolle ersetzt ca. 60 Rollen herkömmliches Haushaltspapier
    • Viel stabiler und saugfähiger als Papiertücher
    • Kann vielseitig eingesetzt werden (Abtrocknen, Fenster putzen, Staub wischen, etc.)
    • Kostet auf Dauer wesentlich weniger
    • Es wird Abfall reduziert – dies senkt Kosten bei den Abfallgebühren

 

  • Plastikrasierer vs. Rasierhobel

    Jahrelang haben sowohl mein Partner, als auch ich herkömmliche Rasiersysteme benutzt. Da wir beide sehr empfindliche Haut haben, war es nicht möglich die jeweils günstigsten Varianten zu kaufen. Deshalb benutzten wir die folgenden Produkte:

 

  • Gillette Fusion 5 Proglide / Gillette Series Sensitive Schaum (mein Partner)
    Rasierer: CHF 11.40

Ersatzklingen:           CHF 45.95 für 12 Stück

Rasierschaum:          CHF 2.80 für 250ml

 

  • Gillette Venus Extra Smooth Sensitive / Gillette Satin Care Sensitive Gel (ich)
    Rasierer: CHF 16.80

Ersatzklingen:           CHF 19.50 für 4 Stück

Rasiergel:                 CHF 3.95 für 200ml

 

Die Kosten für die Rasierer sind zwar in Ordnung, allerdings sind die Ersatzklingen sehr teuer. Da hofft man immer auf Aktionen von mindestens 50%, um das eh schon knappe Budget nicht noch zusätzlich zu belasten.

Für uns war dann irgendwann klar, dass wir eine kostengünstige – und in allererster Linie auch nachhaltige – Alternative suchen müssen. Schliesslich sind wir fündig geworden und haben uns für einen Rasierhobel entschieden, den wir gemeinsam benutzen – jeder mit einer eigenen Klinge. Rasierschaum und -gel wurden durch eine Rasierseife ersetzt, die wir ebenfalls gemeinsam nutzen. Wir sind total begeistert und tatsächlich können wir noch immer kaum fassen, wie gross die Ersparnis ist. Im Folgenden zeige ich euch die Auflistung der nun benutzten Produkte und ihren Preis:

 

  • Rasierhobel «Marmory» von SAWOO

Rasierer:                   CHF 39.90

Klingen «Razies»:     CHF 4.90 für 10 Stück

«Wiener Seife»:        CHF 19.­­– für 100gr

Marmory Rasierhobel


Der Preis für die Seife erscheint auf den ersten Blick sehr hoch – allerdings reicht eine Seife (100gr) länger als 8! Flaschen Rasiergel (200ml) und sogar länger als 10! Flaschen Rasierschaum (250ml). Somit ist die effektive Ersparnis alleine bei der Seife bei CHF 12.60 für mich und bei CHF 9.– für meinen Partner. Beim Rasierer relativiert sich der scheinbar hohe Preis, wenn man bedenkt, dass wir ihn gemeinsam nutzen. Verglichen mit den zuvor benutzten Systemen ist er dann nur noch ein wenig teurer – hält aber viel, viel länger. Die krasseste Ersparnis liegt ganz klar bei den Rasierklingen – während bei den anderen Systemen eine Ersatzklinge zwischen CHF 3.80 und CHF 4.85 liegt, kostet beim Rasierhobel eine Klinge gerade mal CHF –.49, also nicht einmal 50 Rappen. Auch die Klingen halten 5-10-mal länger und es entsteht kein Abfall, da man sie einfach in die Altmetall-Sammlung bringen kann. 

  • Die Vorteile auf einen Blick:
    • Viel längere Lebensdauer – bei Rasierer und Klingen
    • Die Seife ist viel ergiebiger und pflegt die Haut optimal
    • Kein Plastik und somit sehr umweltfreundlich
    • Wesentlich weniger Abfall 

In unserem Haushalt haben wir tatsächlich in vielen Bereichen auf eine nachhaltige Variante umstellen können und am Ende des Monats bleibt mehr Geld übrig, als zuvor. Mit den meisten Produkten spart man sogar doppelt – einmal durch die Langlebigkeit, andererseits durch die Abfallvermeidung. Die jetzt folgenden Beispiele benutzen wir in unserem Alltag und sollen euch als Inspiration dienen:

 

  • Waschbare Abschminkpads aus Bambus oder Baumwolle (ersetzen Einweg-Kosmetiktücher)
  • Festes Duschgel, Shampoo und Pflegespülung (bei uns von HOPERY in verschiedenen Duftnoten – ersetzen je zwei Plastikflaschen herkömmlicher Produkte)
  • ItzyRitzy Wetbags in allen Grössen (ersetzen Plastiksäcke für nasse Kleidung und Snacks (wie z.B. Apfelschnitze oder Gurkensticks); dienen unterwegs als Behältnis für feuchte Lappen anstelle von Feuchttüchern)
  • Bienenwachstücher (ersetzen Klarsichtfolie)
  • Gemüse- und Obstnetze / Brotbeutel aus Baumwolle (ersetzen Plastiksäckchen)
  • Einkaufstaschen aus Jute oder Stoff (ersetzen Plastik- oder Papiertaschen, die jedes Mal kosten)
  • Nussmilchbeutel (zur Eigenherstellung von Hafer- oder Nussmilch)
  • Gärkörbchen (lässt den Teig für das selbstgemachte Brot perfekt aufgehen)
  • Trinkflaschen aus Edelstahl (können mit heissen, kalten und kohlesäurehaltigen Getränken gefüllt werden; ersetzen (bei uns in Kombination mit einem Wassersprudler) PET-Flaschen und Tetrapaks)
  • Edelstahlboxen in verschiedenen Grössen (für den Einkauf in Unverpackt-Läden)
  • Tütenhüter (halten Chips, Müsli, Backpulver, etc. lange frisch, da sie luftdicht abschliessen à weniger Foodwaste)

 

Mit diesen Produkten hat sich unser Abfallvolumen massiv verringert und wir haben nur noch knapp einen Viertel der Kosten für Müllmarken. Informiert euch auch darüber, was eure Wohngemeinde an Entsorgungsmöglichkeiten bietet. In unserem Wohnort wird Papier und Karton einmal im Monat abgeholt. Es gibt eine Bioklappe für die kompostierbaren Abfälle. Wir haben mehrere Sammelstellen für Glas, Metall, Batterien, Kaffeekapseln und PET. Elektromüll kann in jedem Geschäft, das Elektrogeräte verkauft, abgegeben werden. All diese Angebote sind kostenlos und tun gleichzeitig Gutes für die Umwelt. 

Natürlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten – je nach den individuellen Bedürfnissen eines Jeden von euch. Alle erwähnten Produkte kaufen wir bei www.chnöpfli.ch. Auf der Homepage findet ihr ganz viel Inspiration – ihr werdet überrascht sein, wie viele Bereiche man nachhaltig gestalten kann.

Zum Schluss möchte ich euch noch erzählen, was wir mit dem gesparten Geld anstellen werden. In einem Jahr haben wir so viel Geld gespart, dass wir uns zum ersten Mal in fünf Jahren Familienferien werden leisten können, weil wir das nachhaltig nicht ausgegebene Geld sorgsam und konsequent zur Seite gelegt haben. Kein Luxus und «nur» eine Woche – aber unser Sohn wird endlich das Meer sehen können.

Was wirst DU dir leisten, wenn du das grossartige Sparpotential ausgeschöpft hast?

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen konnte ich euch aufzeigen, dass Nachhaltigkeit auch für das ganz kleine Portemonnaie machbar und sogar lohnenswert ist. Bis zum nächsten Blog wünsche ich euch eine gute Zeit, bleibt gesund, lebt euer glücklichstes Leben und wir lesen uns.

Eure Zahra 


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